Fliehet in eine andere Stadt

erstellt am 30. November 2017

Ausstellung im Gasteiner Museum

Martin Luther selbst richtete im Jahr 1532 einen Brief an Evangelische in Gastein. Geheime Predigtplätze entstanden im Tal. Nach der großen Vertreibung im 18. Jahrhundert bildete sich nach dem Bau der Christophoruskirche wieder eine kleine evangelische Gemeinde. Eine Ausstellung im Gasteiner Museum.

Der Gasteiner Martin Lodinger stand im Briefwechsel mit Martin Luther. Dieser schrieb an Lodinger: „Wollt ihrs (das Sacrament) aber ja auch leiblichen gantz empfahen, und eure Obrigkeit will nit, so müsset ihr das Land räumen, und anderst wo suchen, wie Christus sagt: Fliehet in eine andere Stadt; wo sie euch in einer verfolgen, sonst ist hie kein anderer Rath. Befehl euch hiemit in die Gnade Gottes Amen.“

 

Dieser Brief von 1532 ist natürlich ein ganz besonderes Stück in der Ausstellung „500 Jahre Reformation – Die Evangelischen in Gastein“ im Gasteiner Museum in Bad Gastein. Der Goldbergbau stand zu Luthers Zeiten in höchster Blüte. „Die Gewerken waren meist hochgebildete und aufgeschlossene Menschen die auch über Mittel verfügten, um Bücher zu beschaffen“, erklärt Siegfried Moser vom Gasteiner Museum. Nachweisbar sind Prediger aus der Oberpfalz, die in der ersten Junihälfte im Jahr 1525 die „14 Gasteiner Artikel“ (Forderungen der Bauern) mitformulierten. „Handel und Verkehr nahmen zu, auch über den Saumpfad über den Korntauern. Selbst unter den Kurgästen des Wildbades dürften damals bereits Protestanten gewesen sein“, mutmaßt Moser.

Zur Zeit der Aufstände 1525 und 1526 bekannten sich erstmals mehrere Salzburger Protestanten öffentlich zu ihrem Glauben. Gasteiner Knappen und Bauern übernahmen sogar die Organisation des Aufstandes und Erasmus Weitmoser und Caspar Prassler wurden zu Hauptmännern auserkoren. Da sich auch Salzburger Bürger anschlossen, gelang sogar die Einnahme der Stadt Salzburg.

 

Mit Friedensvertrag vom 31. August 1525 konnte der Salzburger Erzbischof jedoch Bürger und Bergherren auf seine Seite bringen. 1533 oder bald danach sind die Lodingers als erste Exilanten des Gasteinertales ausgewandert. Lodinger richtete von Nürnberg aus Trostbriefe und Vermahnungen an seine Landsleute. Auch solche Trostschriften von Martin Lodinger an die Salzburger Glaubensbrüder sind jetzt in Bad Gastein zu sehen.

Unter einigen Salzburger Erzbischöfen ging die Gegenreformation zur Landesverweisung in schärfster Form vor. Im Jahre 1563 wurde Erzbischof Johann Jakob von Khuen-Belasy eine Bittschrift vorgelegt „das Evangelium deutsch predigen und lesen, die Kinder in deutscher Sprache taufen, das hochwürdige Sakrament unter beiden Gestalten nach christlicher Ordnung und Befehl reichen, wie es kaiserliche Majestät im hl. römischen Reiche in Städten, Märkten, Dörfern allergnädigst gedulden und leiden“.

 

Schien vorerst eine friedliche Lösung möglich, wurden unter Papst Gregor XIII. alle Zugeständnisse aufgehoben. Erzbischof Wolf Dietrich (1587–1612) erließ ein Emigrationspatent. Das Gasteinertal wurde jedoch aus wirtschaftlichen Erwägungen ausgenommen, da die Mehrheit der Knappen und Bergleute evangelisch war. So konnte 1602 sogar ein protestantischer Friedhof in Hofgastein errichtet werden.

Erst zur Zeit Kaiser Josefs II. und mit dem Erlass des Toleranzediktes wurde 1781 ein Markstein in der Geschichte der Protestanten in Österreich gesetzt. Das Protestantenpatent Kaiser Franz Josefs I. am 8. April 1861 führte zur Gleichberechtigung. 1867, als die evangelische Christuskirche in der Stadt Salzburg eröffnet wurde, fasste man auch den Plan, in Bad Gastein eine evangelische Kirche zu errichten. Durch die Tatkraft der reichen Bremer Kaufmannstochter Fräulein Laura Heye, deren Vater mehrmals die Kur im Wildbade schätzte, und Gräfin Lehndorff, Gattin des Generaladjutanten Kaiser Wilhelms I, konnte 1868 mit dem Bau begonnen werden. 1872 war die Christophoruskirche fertig. wurde am 24. August 1872 geweiht. Die evangelische Heilskirche in Bad Hofgastein wurde 1960 geweiht.

 

Die Sonderausstellung im Gasteiner Museum erzählt noch die Geschichte der beiden evangelischen Heime Helenenburg und Schwarze Liesl und beleuchtet evangelische Familien im Tal und das Leben der Evangelischen heute.

 

(Museum Gastein/Siegfried Moser)

         

 

Quelle: Drehpunkt kultur

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